Reflexionen › Wahrnehmung

Die Fähigkeit zur tatsächlichen und reinen Wahrnehmung der Außenwelt bedeutet, dass wir Menschen, Situationen, Objekte etc. im Jetzt erfahren, ohne dabei auf unsere Gedanken, Erinnerungen, Gefühle, Assoziationen oder früheren Eindrücke zurückzugreifen.

Wie schwierig das oft ist, zeige ich dir im folgenden Beispiel:

Du triffst auf eine Person, du nimmst etwas an ihr wahr, unbewusst erinnert dich die Person an eine Situation oder ein Gefühl aus deiner Kindheit  – umgangssprachlich wird das auch „Menschenkenntnis“ genannt.

Dabei glaubst du zu wissen, dass das, was du wahrnimmst, die Person betrifft, die dir gerade gegenüber steht. Tatsächlich aber handelt es sich „nur“ um ein Muster, das dir unbewusst oder bewusst klar machen möchte:

‚Hey, diese Situation kenne ich doch, das muss ja genauso ablaufen‘

Erst wenn dir das bewusst ist, dann kannst du entscheiden: mache ich es so wie immer oder probiere ich etwas Neues und steige aus diesem Muster aus.

Und was bringt dir das auf deinem weiteren Lebensweg?

Stelle dir einmal folgende Situation vor: Dein Gegenüber zeigt Gefühle, und du merkst, dass in dir eine Mauer hochfährt. Wenn du das nun bemerkst, kannst du hinterfragen woher dieses Muster kommt, warum sich also diese Mauer gerade jetzt aufbaut. Vielleicht hast du in deiner Kindheit immer gehört, „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ und daraus abgeleitet, es der einzig richtige Weg ist, seine Gefühle zu verbergen?

Wenn dir bewusst wird, dass es sich um eine in deiner Kindheit eingeprägte Verhaltensweise handelt, dann kannst du für dich entscheiden, ob es in der JETZT-Situation auch angebracht ist, danach zu handeln. DU hast dann die Wahlmöglichkeit.

Nun kannst du die Person, die dir gegenüber steht, wirklich wahrnehmen und schiebst sie nicht sofort in eine von dir vordefinierte Schublade.

Ich hoffe, ich konnte dir den Unterschied zwischen einer echten (Herzens-)Wahrnehmung und einer Schubladisierung näher bringen.