Reflexionen › Kommunikation:
„Man kann nicht nicht kommunizieren“

Es gibt verschiedene Kommunikationsmodelle, eines möchte ich Euch vorstellen.

Bevor ich näher auf ein bestimmtes Kommunikationsmodell eingehe, möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass viele Probleme, die für den Einzelnen zu großem Schmerz und großer Verzweiflung führen, allein aus der Kommunikation mit anderen Menschen entstehen können.

„Wenn wir fünf Jahre alt sind, haben wir für gewöhnlich schon Milliarden Erfahrungen im kommunikativen Austausch gemacht. In diesem Alter haben wir Vorstellungen darüber entwickelt, wie wir uns selbst erfahren, was wir voneinander erwarten können und was uns in der Welt als möglich bzw. unmöglich erscheint. Wenn nicht irgendwelche mächtigen Einflüsse diese Ansichten in Frage stellen, werden jene Lernerfahrungen unserer ersten Lebensjahre zur Grundlage für unser gesamtes weiteres Leben.“ Das schreibt Virginia Satir in ihrem Buch „Kommunikation, Selbstwert, Kongruenz.

So früh werden also bereits die Weichen dafür gestellt, wie wir uns als Erwachsene fühlen und wie wir in Beziehungen agieren. Wobei dies alles unbewußt abläuft und erst durch therapeutische Arbeit bewußt gemacht und damit erfolgreich bearbeitet und aufgelöst werden kann. Die Balance-Kinesiologie bietet hier ein tief und schnell wirkendes Konzept um diese frühkindlichen Erfahrungen spürbar zu machen und daraufhin zu entstressen.

Auch im Erwachsenenleben gibt es viele Verletzungen und Konflikte, die aus Missverständnissen heraus entstehen und durch bessere Kommunikation vermieden werden könnten.

Kommunikation wird nicht nur als eine Gesprächssituation verstanden, sondern Kommunikation umfasst jegliche verbal oder nonverbal wahrgenommene Handlung. Die größte Herausforderung in der Kommunikation besteht darin, die möglichen Missverständnisse in der Interpretation der Botschaften zu minimieren.

Friedemann Schulz von Thun hat ein Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation aufgestellt. Es nennt sich: „Die vier Seiten einer Nachricht“

Die vier Seiten einer Nachricht

Der Sender möchte eine Botschaft vermitteln – Der Empfänger versucht die Botschaft zu  verstehen

 

Schulz von Thun – Das 4 (Vier) Ohren Modell

Die Kommunikation ist ein Wechselspiel zwischen dem Senden und Empfangen von Botschaften. Gerade hier liegt die Gefahr von Missverständnissen.  Oft werden Aussagen nicht klar formuliert und daher falsch verstanden oder fehlinterpretiert. Das Vier Ohren Modell von Schulz von Thun gibt eine Unterstützung, um sich selbst besser zu reflektieren. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Der eine redet, der andere hört zu! Doch der Teufel steckt im Detail und ist auf der bewussten Ebene kaum wahrnehmbar.

Das 4 (Vier) Ohren Modell

 

Die 4 Ebenen im Vier Ohren Modell nach „Schulz von Thun“

Der deutsche Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat die These aufgestellt, dass jede Nachricht auf 4 Ebenen beleuchtet werden kann. Diese Ebenen sind:

  • die Sachebene (eine Sachinformation, worüber ich informiere)
  • die Beziehungsebene (was ich von dir halte, wie ich zu dir stehe)
  • die Selbstoffenbarungsebene (was ich von mir zu erkennen gebe)
  • die Appellebene (was ich bei dir erreichen möchte)

Ein typisches Beispiel in der Kommunikation, welches das Vier Ohren Modell verdeutlicht ist der Satz:

„Die Ampel ist Grün“. In der Geschichte sitzt eine Frau am Steuer des Autos und ihr Mann auf dem Beifahrersitz. Der Mann möchte seine Frau darauf aufmerksam machen, dass die Ampel grün ist.

Sehen wir uns diese Aussage auf den verschiedenen Ebenen an:

 

Schulz von Thun – Die Sachebene im 4 – Ohren – Modell

Auf dieser Ebene steht die Sachinformation im Vordergrund. Es geht darum, Zahlen, Daten, Fakten und Sachinformationen zu vermitteln. Die Sachinformationen sind auf folgende Attribute prüfbar:

  1. Wahrheit (Ist die Aussage wahr oder unwahr?),
  2. Relevanz (Sind die Sachverhalte wichtig oder unwichtig?) und
  3. Hinlänglichkeit (Sind die Sachhinweise für das Thema ausreichend oder nicht?).

Bezug auf unser Beispiel:
Würde die Frau auf der Sachebene reagieren, würde sie wahrscheinlich nur kurz nicken oder widersprechen, wenn die Ampel nicht grün ist. Sie reagiert also nur auf den reinen Sachinhalt der Nachricht und interpretiert nicht und bringt auch keine Gefühle ins Spiel.

 

Schulz von Thun – Die Beziehungsebene im 4 – Ohren – Modell

Nun sehen wir uns die Beziehungsebene an. Auf dieser Ebene sind folgende Faktoren für das Verständnis ihrer Kommunikation entscheidend:

  • Art der Formulierung
  • Tonfall
  • Mimik und Gestik
  • Körperhaltung

Die Art und Weise, wie ich mit jemanden spreche, zeigt mir auf, in welcher Beziehung ich zu dieser Person stehe. In jeder Äußerung steckt also ein Beziehungshinweis. Besonders die Menschen, die Ihr Beziehungsohr sehr stark nutzen, fangen hier sehr viele Signale auf. Der Empfänger kann sich auf dieser Ebene z. B. folgende Fragen stellen:

  • „Wie fühle ich mich durch die Art, wie die/der andere mit mir spricht / mich behandelt?”
  • „Was hält die/der andere von mir? Wie steht sie/er zu mir?”

Bezug auf unser Beispiel:
Auf der Beziehungsebene nimmt die Frau den Satz „Da vorne ist Grün.” ganz anders wahr, als auf der Sachebene. So könnte sie vielleicht denken, dass ihr Mann ihr sagen möchte, dass sie endlich fahren soll. Vielleicht interpretiert sie aber auch, dass ihr Mann besser weiß, wie man Auto fährt und sie seine Hilfe braucht. Je nach Temperament und Selbsteinschätzung wird sie seine „Hilfestellung” annehmen oder gegen die „Bevormundung” Protest einlegen.

 

Schulz von Thun – Die Ebene der Selbstoffenbarung im 4 – Ohren – Modell

Alles, was gesagt wird, enthält somit eine Selbstoffenbarung. Daraus kann ein geübter Zuhörer oder Empfänger ableiten, was in mir vorgeht, wofür ich stehe oder wie ich mich selbst sehe. Dies kann explizit – in Form einer Ich-Botschaft – oder implizit geschehen. Der Empfänger erfährt auf dieser Ebene also mehr über den Sender:

  • Was ist die/der für einer?
  • Wie ist sie/er gestimmt?
  • Was denkt sie/er?

Bezug auf unser Beispiel:
Die Frau würde bei dem Satz ihres Mannes „Die Ampel ist Grün“  womöglich davon ausgehen, dass ihr Mann mehr sieht als sie und er ihr unter die Arme greifen möchte, damit sie beim Auto fahren nicht die Orientierung verliert.

 

Schulz von Thun – Die Appellebene im 4 (Vier) Ohren Modell

Sehen wir uns nun die Apellebene an. Hierbei geht es um:

  • Wünsche
  • Appelle
  • Ratschläge
  • Handlungsanweisungen

All diese Dinge können entweder direkt (also offen) oder indirekt (also verdeckt) kommuniziert werden. Bei jeder Kommunikation möchten wir mit dem Gesagten etwas erreichen oder einen Einfluss auf den / die Gesprächspartner/in nehmen.

Bezug auf unser Beispiel:
Die Fahrerin würde auf dem Appellohr womöglich einen Befehl oder ein Kommando interpretieren. Ihr Mann möchte womöglich, dass sie sich beeilen soll.

 

Das 4 –  Ohren – Modell  – Eine Zusammenfassung

Das Vier-Ohren-Modell zeigt, wie schnell und ungewollt Missverständnisse entstehen können. Häufig eskalieren diese und können nur im Nachhinein geklärt werden, wenn sich alle Beteiligten wieder beruhigt haben.

Daher ist es wichtig, so genau und deutlich wie möglich zu kommunizieren und sich klar zu werden, auf welchem der 4 Ohren man am meisten hört und am empfindlichsten ist.