Reflexionen › Frau sein und Mann sein

 Frau sein und Mann sein

Ein Mann und eine Frau zeugen ein Kind. In diesem Kind steckt das Weibliche der Mutter und das Männliche des Vaters, egal welches Geschlecht das Kind auch hat. So ist es: dass ein jeder Mensch, gleich ob Mann oder Frau beide Aspekte in sich trägt, das Weibliche und das Männliche.

Jedoch muss ich immer wieder feststellen, dass viele Menschen eines der beiden untergehen lassen und meistens ist das leider die Weiblichkeit – wer setzt sich schon gerne mit seiner Gefühlswelt auseinander.

Wir haben in den letzten Jahrhunderten gelernt, dass Frau-Sein schlecht ist, dass Gefühle zeigen beschämend ist, dass es nicht normal sei, heute einen Tag voller Freude und morgen einen Tag voller Wut zu erleben, dass man seine inneren Gefühle nicht ausleben darf.

Dass unsere (weibliche) Intuition meistens richtig liegt wurde nur belächelt und gelegentlich verächtlich abgetan. Sogar beim Sex ist es so, dass unsere tiefe Sehnsucht nach dem Miteinander, dem Verbunden-Sein und dem Eins-Sein abgetan wird.

Jeder kennt die Situation: wenn dir ein Film dir nahe geht, dann fließen auch ein paar Tränchen – ist das schlimm?

Die Menstruation: wie oft habe ich es schon gehört „ah, die blöden Tage wieder“, „da ist sie“, „da bin ich“ so weinerlich und gereizt. Ich halte das nicht (mehr) aus,  am besten wär es, ich hätte die nicht.

Nun, was wäre, wenn ich nicht einmal das wunderbare Phänomen in meinem Körper wahrnehmen kann/darf, wie soll man da die Weiblichkeit annehmen? Frau-Sein ist ein Geschenk; man denke nur daran, welch ein Wunder wir mit der Geburt erleben dürfen.

Die Frage stellt sich, warum ist es großartig, wenn eine Frau ein harter Knecht ist, wie ein Mann eben? Ist es denn für den Mann besser eine Frau zu haben, die ihm seine Härte und Coolness spiegelt, anstatt sich an ihre weibliche, gefühlvolle, mitfühlende Brust fallen lassen zu können?

Ein Mann hat eingetrichtert bekommen „ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Der 9-jährige Bub könnte heulen weil sein blutendes, aufgeschlagenes Knie schmerzt – aber das darf/soll ein Mann nicht. Damit – und an vielen anderen Beispielen –  lernt schon der Bub. dass er seine weibliche, gefühlvolle Seite nicht zeigen darf.

Es kann auch natürlich vorkommen, dass eine Frau nur in ihrer Weiblichkeit verfangen ist und der männliche Part fehlt. Wenn eine Seite weniger gelebt wird, dann entsteht immer ein Ungleichgewicht .

Natürlich: es gibt Situationen in denen das Männliche oder das Weibliche gefragter ist,  jedoch sollte es keinesfalls ein Dauerzustand werden, dass immer das eine das andere überwiegt. Ich kenne einige Frauen, die mehr Mann als Frau sind. Das ist schade.

Eines ist klar: ohne Weiblichkeit oder Männlichkeit sind wir nicht in unserer Mitte!

Ein paar Beispiele des Weiblich-Seins: nährend, gefühlvoll, im Augenblick sein, im Fluss sein, mitfühlend, rund, strahlend, weich, fürsorglich, spielerisch, leidenschaftlich, Erdhaftigkeit, …

Ein paar Beispiele des Männlich-Seins: zweckmäßig, konzentriert, präsent, zuversichtlich, rivalisierend, visionär, ideenreich, innerer Antrieb, Beschützer, …

Wenn wir lernen, beides in uns zu akzeptieren und beides auch ausleben, dann würde die Welt anders aussehen.