Reflexionen › Der weibliche Weg – eine Geschichte

So lange unterdrücke ich schon meine Gefühle, passe mich an, um hineinzupassen, um dazuzugehören. Ich arbeite an mir, versuche, mich zu verbessern und bin mir doch nie wirklich gut genug. Ich vergleiche mich mit anderen, die ich entweder verurteile oder hoch lobe und ich verzweifle an mir. Ich fühle immer wieder ein unterschwelliges Unbehagen, eine unbestimmte Angst. Ich versuche, alles zu verstehen und ich finde nichts, das mich dauerhaft glücklich sein lässt. Ich bin immer auf der Suche.

Oft führe ich in meinem Inneren einen gnadenlosen Krieg gegen alles, was mir Angst macht. Ich bekämpfe das, was meinem Idealbild von mir selbst nicht entspricht, was unbequem ist, was sich meiner Kontrolle entzieht. Ich suche Fülle und lande doch immer wieder dort, wo ich mich für mangelhaft halte. Immer wieder vergesse ich, wie es sich anfühlt, die zu sein, die ich wirklich bin. Ich überfordere mich ständig, um allen Aufgaben gerecht zu werden, die ich glaube, erfüllen zu müssen.

Ich versuche, es allen recht zu machen. Ich möchte geliebt werden. Mich zu entspannen, loszulassen, die Kontrolle aufzugeben, ist oft unmöglich. Ich hänge an meiner Unentbehrlichkeit. Anstatt innezuhalten, still zu werden und mich mit mir selbst zu verbinden, verfalle ich in Aktionismus und hoffe, dass mir Erfolg und Anerkennung irgendwann die zutiefst ersehnte Sicherheit und Entspannung schenken werden.

Ich fühle mich oft traurig und allein gelassen und glaube, dass ich alles selbst machen muss. Trotzdem bin ich immer wieder davon überzeugt, meinen Platz gefunden zu haben, z. B. wenn ich ein Gefühl der Zugehörigkeit verspüre, weil in der Familie gerade mal alles von alleine läuft. Wie alles, lässt sich auch das nicht festhalten, ist einem steten Wandel unterworfen. Ich will den Wandel nicht. Ohnmacht und Nicht-Wissen machen mir angst. Ich will den Schmerz nicht fühlen, will nicht länger verletzlich sein.

Lange Zeit halte ich das, was das Weibliche ausmacht, für ein Hindernis auf meinem Weg – meine tiefe Verbindung mit der Natur, mein Wissen um die zyklische Natur des Lebens, meine Intuition, mein Zutiefst Berührt Sein, meine Lust und Sinnlichkeit, meine Wildheit, meine Stille und mein Einfach Da Sein.

Trotz meiner Konditionierungen, trotz meiner Ängste, erlaube mir immer öfter, an dieser Quelle in mir zu rasten und ihr klares Wasser zu trinken. Ich erlaube mir immer öfter im Fluss zu sein und die alten Geschichten gehen zu lassen, mich selbst zu lieben, so wie ich bin. Ich werde mir immer mehr bewusst, dass ich ein grenzenloses Energiewesen bin. Frei. Eine Schöpferin. Immer tiefer verbinde ich mich mit dem Mysterium des Lebens.

Ich kehre zurück zu den Wurzeln, bete die Göttin an in Ihren unzähligen Ausdrucksformen. Ich feiere die bedingungslose Güte von Mutter Erde und finde Wege der Schönheit, ihr meine Dankbarkeit auszudrücken. Ich spüre immer mehr, dass ich von nichts getrennt bin und erlaube mir, wieder verletzlich zu sein. Ich übe, präsent zu sein, nicht zu urteilen, nicht zu wissen. Ich übe, zu vertrauen. Ich erkenne mich als Schöpferin. Ich bin gleichzeitig angekommen und auf dem Weg. Ich und das Leben sind eins.