Reflexionen › Braucht der Mensch eigentlich Beziehungen?

Die erste Beziehung in unserem Leben lernen wir schon als Baby kennen: die Mutter-Kind Beziehung spielt fortan eine starke Rolle in unserem Leben. Wie wird das Neugeborene empfangen – liebevoll, wärmend, herzlich, freudvoll oder eher kalt, zurückweisend, lieblos sogar abstoßend? All dies hat Auswirkungen, die unser weiteres Leben prägen.

Das Neugeborene tritt, sobald es den ersten Atemzug getan hat, sogleich mit anderen Individuen in Beziehungen.

Rene Spitz hat sich mit der Entwicklung von Neugeborenen und Kindern in Waisenhäuser befasst, wobei die Recherchen bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen. Ein erstes Experiment findet man schon im 13.Jahrhundert, als Kaiser Friedrich Wilhelm II. befahl, Säuglinge im Waisenhaus ohne Sprache aufwachsen zu lassen. Sie wurden von Ammen versorgt, die kein Wort mit ihnen redeten. Bei diesem Experiment starben alle Säuglinge.

Weitere Forschungen ergaben, dass ein Mangel an Gelegenheit, eine tragfähige emotionale Bindungen an eine ständige Bezugsperson herzustellen, zu irreparablen Schäden oder zum Tod führt. Unter anderem konnten dabei Marasmus, Debilität oder Asozialitätssyndrom beobachtet werden.

Das zeigt im Umkehrschluss, dass das menschliche Lebewesen zum Gedeihen, Wachsen und Entwickeln zwingend menschliche Nähe und Beziehung benötigt.

All diese Faktoren können dabei mitspielen …

… warum eine Person im Erwachsenenleben keinen Partner findet,
… Eheprobleme auftauchen,
… man keine Liebe annehmen kann,
… die Kommunikation mit der Freundin/dem Freund nicht mehr funktioniert,
… man sich mit dem Chef nicht (mehr) versteht,
… der eigene Partner nie gut genug ist,
… die Zusammenarbeit mit den KollegInnen schwer fällt,
… etc.

Es ist entscheidend, wie wir in unseren Beziehungen kommunizieren. Und herauszufinden, welche Kommunikationsart mich zum Erfolg bringt, zu meinem angestrebten Ziel, um dadurch ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen.

Durch das bewusste Umgehen mit den Beziehungsmustern kann ich selbst entscheiden, wie ich meine Beziehungen leben möchte: will ich lieber das Opfer sein und mein Partner ist der Übeltäter – oder will ich gar keinen Partner weil eh alle Männer/Frauen gleich schlecht sind – oder will ich eine liebevolle, freudvolle, durch Nähe verbundene Beziehung.

Ich selbst habe es in der Hand. Ich muß mir nur bewusst werden, welche alten, eingefahrenen Muster ich mit mir herumtrage.